Analogien bilden online dating


Besagter Freund, der Tinder durchgespielt hat, sagte neulich über eine Frau, sie habe ihm zu dicke Oberschenkel. Und das Internet ist voll von Menschen; es könnte noch einer kommen, der keine Fehler hat. Weil wir ewig unzufriedene Menschen sind, die vergessen haben, wie man liebt, weil wir auf das Schlechte im Leben schauen und nicht auf das Gute. Aber ein Drittel kann gut sein, weil etwa jeder dritte Haushalt ein Singlehaushalt ist.

Mir sagte mal jemand, ich übe Druck auf ihn aus, weil ich genervt war, als er mich im Schneetreiben warten ließ. Oft genug liegt die Wahrheit im wunderbaren Buchtitel: „Er steht einfach nicht auf dich“. Darin leben dann die Menschen in Pendlerbeziehungen, ihnen gegenüber stehen die Wohngemeinschaften; sagen wir also: ein Drittel der Deutschen ist Single.

Ich datete Jüngere und Ältere, ich datete in den folgenden vier Jahren mehr Männer, als in den zehn Jahren davor. Tinder ist der Charakter meiner Generation in App-Form und besagter Bekannter ist ein sehr extremer Vertreter.

Und immer mehr Menschen meines Alters rutschen genau in diese Natur hinein. Da war ich gerade fertig mit der Universität und guten Mutes, nach einer Zeit der Selbstfindung etwas Neues beginnen zu können. Ich traf jemanden, den ich sehr mochte, der aber noch nie eine längere Beziehung hatte und auch mit mir keine wollte. Ich traf einen, der frisch aus einer langen Beziehung kam, gern eine neue wollte und mich komplett in den Wahnsinn trieb mit seiner Anhänglichkeit. Diese Geschichte ist total alltäglich; ich kenne viele, die aus langen, schlussendlich langweilig-leidenschaftslosen Beziehungen kamen, sich ausprobieren wollten und dann darauf hängen blieben.

Ein Bekannter von mir hat die Dating-App Tinder durchgespielt. Ich weiß jetzt nicht so genau, was ich ihm raten soll. Wir sind nicht alle gleich, auch wenn Bücher über diese Generation Y – why? Wir sind gut ausgebildete kleine Kommunikationsjunkies. Wir müssen improvisieren und haben den Willen, unser Leben gut zu gestalten, sagt Wikipedia. Wir sind laut statistischem Bundesamt jeder Vierte in Deutschland. Wir sind gestresst, wir haben Angst, wir sind frei und ungebunden und lieben unsere Möglichkeiten. Zwei Millionen von uns brauchen Tinder, um Nähe zu anderen Menschen herzustellen.